Als sie alt genug war, konnte Nataša Urban ihre Heimat Serbien nicht schnell genug verlassen. Nie hat sie zurückgeschaut – bis heute. Mutig und beharrlich geht sie der Frage nach, wie sich der Zerfall Jugoslawiens, der Genozid, die Kriegsverbrechen der 1990er-Jahre in die Leben ihrer Familie und Freunde eingeschrieben haben. Ein schmerzhafter, mit Widerstand behafteter Prozess des Erinnerns beginnt, in dem Damals und Heute in mannigfaltigen Schattierungen in einen Dialog gesetzt werden. Die Weltgeschichte und der Alltag Einzelner laufen oft parallel oder überschneiden sich nur marginal – und stoßen in individuellen Biografien dann doch plötzlich mit voller Wucht aufeinander. „Eclipse“ ist ein eindrückliches Werk visueller Archäologie, das Schicht um Schicht Schweigen und Vergessen-Wollen abträgt und deutlich macht, dass die Vergangenheit noch lange nicht abgeschlossen ist. Die Sonnenfinsternis gerinnt zur prägenden Metapher: Erkenntnis und Wahrheit können nicht direkt betrachtet werden. Wenn überhaupt, nur durch ein verrußtes Stück Glas.