Drama

Die Hände meiner Mutter

Die Hände meiner Mutter
Drama

Die Hände meiner Mutter

FSK 12Filmstart: 01.12.2016Laufzeit: 106 Min.
Dieser Film befindet sich aktuell nicht im Programm.
bw

FILMHANDLUNG

Bewertung

Abschluss von Florian Eichingers Trilogie über die Folgen familiärer Gewalt.
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Markus ist Ende dreißig, glücklich verheiratet, ein geregelter Job, ein gesunder Sohn. Nur das Verhältnis zu seinen Eltern und Geschwistern ist distanziert, man sieht und besucht sich kaum. Warum das so ist, weiß Markus selbst nicht so genau. Als dann aber sein Sohn auf einer Geburtstagsfeier nach einem Toilettenbesuch mit seiner Oma eine kleine Wunde an der Stirn hat, ist es plötzlich, als hätte sich ein Schalter umgelegt. Denn auf einmal erinnert sich Markus. An seine Kindheit. An die nächtlichen Besuche seiner Mutter in seinem Zimmer. Und an das, was seine Mutter dort mit ihm tat. Als Kind hat er das nicht verstanden. Er hat sich nur geschämt und gewusst, dass es falsch ist. Und er hat es verdrängt. Nun, als Erwachsener, muss er sich der Vergangenheit stellen. Markus Frau Monika will ihm helfen, doch weiß nicht wie. Markus Eltern wiederum wollen "von früher" nichts wissen. Sie verdrängen weiterhin und halten so eine Mauer des Schweigens aufrecht, die sich durch die gesamte Familie zieht. Mit DIE HÄNDE MEINER MUTTER beendet Regisseur und Autor Florian Eichinger seine Filmtrilogie zum Thema Gewalt in der Familie und überzeugt auf allen Ebenen, sowohl formal als auch emotional. Um dem Zuschauer die schockierenden Details des Missbrauchs durch die Mutter zu vermitteln, ohne ihn zu überfordern, wählt Eichinger dabei ein besonderes Stilmittel: Er lässt Markus die Szenen der Erinnerung als sein erwachsenes Ich durchleben. Andreas Döhler leistet hier Großes. Im Hier und Jetzt spielt er gebrochen, verzweifelt, doch mit erwachsener Reife. Doch wenn er in seine Erinnerungen zurückkehrt, dann wandelt sich auch sein Spiel. Naiv wird es, jung, verängstigt, unschuldig. Döhler offenbart in seinem Spiel eine kindliche Seele - und genau dieses Spiel macht dem Zuschauer das Entsetzliche der Tat bewusst. Auch Jessica Schwarz als Monika, Heiko Pinkowski als Gerhard und Katrin Pollitt als Markus Mutter überzeugen in jeder Minute. Der Film urteilt niemals lapidar über die Mutter als Täterin und den Vater als Mitwisser, sondern zeigt, wie schwierig es ist, mit einem solchen Thema umzugehen. Für den Film sind alle Mitglieder der Familie Opfer der Tat, der Umstände, ihres Wesens. Die Dramaturgie des Films ist klar, die Erinnerungen bauen sich organisch in die Handlung ein, die Dialoge sind gestochen scharf, viele Szenen leben jedoch auch von stummen Blickwechseln, von inneren Kämpfen, die ohne Worte auskommen. Die Gespräche mit Therapeuten und der undramatische Umgang mit der Problematik schaffen Authentizität, lassen dabei aber nie die Emotionen auf der Strecke. DIE HÄNDE MEINER MUTTER ist eine überzeugende, beeindruckende und tief bewegende Auseinandersetzung mit einem schwierigen Thema. Ein wichtiger, kluger und reflektierter Film, der Mut machen kann, über solch ein Thema zu reden. Denn das Schlimmste, was man tun kann, ist schweigen.
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Trailer - Die Hände meiner Mutter

Film-Details

Cast & Crew

ProduzentMike Beilfuß, Matthias Greving, Cord LappeDrehbuchFlorian EichingerRegieFlorian EichingerKameraTimo SchwarzCastAndreas Döhler, Heiko Pinkowski, Katharina BehrensMusikAndré Feldhaus
OriginaltitelDie Hände meiner MutterProduktionsjahr2016ProduktionslandDeutschlandVerleihFarbfilm