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Dokumentarfilm

Cahier Africain

Cahier Africain
Dokumentarfilm

Cahier Africain

FSK unbekanntFilmstart: 10.11.2016Laufzeit: 123 Min.
Dieser Film befindet sich aktuell nicht im Programm.
bw

FILMHANDLUNG

Bewertung

Am Anfang stand ein schmales Schulheft. Anstelle von Vokabeln füllten sich seine karierten Seiten mit den mutigen Zeugenaussagen von 300 zentralafrikanischen Frauen, Mädchen und Männern. Sie offenbaren, was ihnen im Oktober 2002 im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen von kongolesischen Söldnern angetan worden war. Das Heft ist ihr selbst gefertigtes Beweisstück, um die an ihnen verübten Vergewaltigungen zur Anklage zu bringen. cahier africain ist eine Langzeitbeobachtung und begleitet seine Protagonisten aus dem Dorf PK 12 seit 2008:Amzine, eine junge muslimische Frau, hat als Folge der Vergewaltigungen ein Kind zur Welt gebracht. Der Blick auf ihre heute 12-jährige Tochter Fane erinnert sie täglich an das dem Heft anvertraute Leid. Arlette, ein christliches Mädchen, litt jahrelang an einer nicht heilen wollenden Schussverletzung am Knie. Nach einer erfolgreichen OP in Berlin hegt sie Hoffnung auf ein schmerzfreies Leben. Aber inmitten der Versuche den schwierigen Alltag mit Zuversicht zu meistern - und während in Den Haag noch die juristische Aufarbeitung der letzten Kriegsverbrechen in Gange ist - bricht in der Zentralafrikanischen Republik der nächste Krieg aus. Amzine, Fane und Arlette werden erneut in einen Strudel von Gewalt, Tod oder Vertreibung gerissen. An ihrer Seite erlebt der Film den Zusammenbruch von Ordnung und Zivilisation in einem von Bürgerkrieg und Putsch zerrissenen Land. (Quelle: Verleiher)
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In Den Haag, am Internationalen Strafgerichtshof, liegt in einem Aktenordner ein dünnes Heft. Von außen sieht es aus wie ein normales Schulheft. Doch seine Seiten sind gefüllt mit unfassbaren Grausamkeiten. Grausamkeiten, die Menschen Menschen angetan haben. In dem Heft stehen die Aussagen von 300 Frauen, die im Jahr 2002 angegriffen, misshandelt, vergewaltigt, vertrieben wurden. Von kongolesischen Söldnern, die im Zuge des Krieges das Land heimsuchten und verwüsteten. Als in Den Haag der Prozess gegen Jean-Pierre Bemba beginnt, ist das Heft ein Beweismittel, um den ehemaligen Politiker wegen der Anordnung von Vergewaltigung als Kriegsstrategie und anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verurteilen. Die Dokumentarfilmerin Heidi Specogna hat sich für CAHIER AFRICAIN seit 2008 mit dem Thema beschäftigt. Und genau das spürt man von der ersten Minute an. Der Film ist viel mehr als eine dokumentarische Auseinandersetzung mit einem Konflikt, er ist eine Beobachtung, eine Studie, eine Möglichkeit für den Zuschauer, sich hautnah in das Thema einzufinden. Die Erzählhaltung ist langsam, lässt die Zeit, sich mit den Begebenheiten und den Menschen vertraut zu machen. Es gibt wenige Protagonisten, die Specogna gezielt und ganz persönlich begleitet, doch diese bringt sie dem Betrachter wirklich nahe, ohne sie aber voyeuristisch preiszugeben. Da ist die Muslimin Amzine, die von einem Söldner vergewaltigt und schwanger wurde. Ihr Kind hat sie zur Welt gebracht. Dafür wird sie von ihrer Umwelt verurteilt und ausgestoßen. Und da ist die Christin Arlette, die von einer Kugel am Knie verletzt wurde und die mit ihrer Familie hofft, sich irgendwo wieder eine Existenz aufzubauen, den Krieg hinter sich zu lassen und wieder in Frieden leben zu können. Dies sind nur zwei Frauen, die der Film über all die Jahre begleitet. Gleichzeitig macht der Film auch klar: Das Schicksal der Porträtierten ist das Schicksal von vielen, ist unabhängig von Religion und Politik. Immer wieder lässt Specogna die Kamera einfach an Gesichtern entlang gleiten, etwa beim Verfolgen des Prozesses gegen Bemba am Fernseher im Gemeindezelt. Die Bildsprache ist klar, nicht gekünstelt. Kein Kommentar von außen erklärt etwas - was wirkt, sind nur die authentischen unverfälschten Eindrücke, die der Film einfängt und damit auch immer wieder Bilder mit hoher Symbolkraft erschafft. Ein Beweis für eine unfassbar große Nähe und ein ebensolches Vertrauen, was die Filmemacherin zu den Menschen aufbauen konnte. Und umgekehrt. Denn man spürt, wie sehr auch Specogna dieses Thema am Herzen liegt. An manchen Stellen liegt auf den Bildern eine Musik, die aus dem Land selbst ist. Es ist eine anklagende Musik, eine intensive Musik, die den Betrachter zusätzlich an die Menschen auf der Leinwand bindet. CAHIER AFRICAIN ist eine Verbeugung vor dem Mut der Frauen, die gegen ihre Peiniger aussagen. Doch der Film ist auch ein Fingerzeig für Europa und zwingt, hinzusehen, wo Wegsehen oftmals bequemer und angenehmer ist. Denn in diesen 119 Minuten erfährt man mehr über die Wirklichkeit des Lebens, der Geschichte und der Tragödie Afrikas als in vielen Nachrichtenformaten zusammen. CAHIER AFRICAIN - eine immens wichtige Dokumentation. Ein klug reflektiertes Stück Zeitgeschichte. Und ein bewegender Film.
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Trailer - Cahier Africain

Film-Details

Cast & Crew

KameraJohann FeindtProduzentPeter Spoerri, Stefan TolzDrehbuchHeidi SpecognaRegieHeidi Specogna
OriginaltitelCahier AfricainProduktionsjahr2016ProduktionslandSchweiz, DeutschlandVerleihDéjà vu