Die Unsichtbaren - Wir wollen leben

Die Unsichtbaren - Wir wollen leben

Filmstart: 26.10.17Länge:110 Min.FSK 12
FSK 12 Filmbewertungsstelle Wiesbaden - Prädikat besonders wertvoll
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Infos
Cast & Crew
Bewertung
Drama um vier junge Juden, die in den letzten zwei Kriegsjahren in Berlin dem Naziregime Widerstand leistete.
Berlin wird 1943 für "judenrein" erklärt. Doch einige junge Juden leben dort noch. Ihnen gelingt es unsichtbar für die Behörden zu sein, wie Hanny, die sich die Haare blondiert und versucht in der Menge unterzugehen oder Cioma, der Pässe fälscht und damit etliche rettet. Eugen verteilt nachts Flugblätter. Tagsüber trägt er die Uniform der Hitlerjugend. Ruth tarnt sich als Kriegswitwe und arbeitet bei einem NS-Offizier. Sie alle haben Vertraute, die ihre wahre Identität kennen, ihnen helfen und damit ihr Leben riskieren.
Originaltitel
Die Unsichtbaren - Wir wollen leben
Schauspieler
Alice Dwyer (Hanni Lévy) Infos ›
Max Mauff (Cioma Schönhaus)
Ruby O. Fee (Ruth Arndt)
Aaron Altaras (Eugen Friede)
Victoria Schulz (Ellen Lewinsky)
Regie
Claus Räfle
Produzent
Claus Räfle, Frank Evers
Drehbuch
Claus Räfle, Alejandra Lopez
Kamera
Jörg Widmer
Musik
Matthias Klein
Produktionsjahr
2017
Verleih
Tobis
"Noch ein Film zum Thema Holocaust", mögen manche sagen oder nur denken. Doch ganz unabhängig davon, dass dieses Thema im Medium Film auch in der Zukunft immer seinen Eingang finden sollte, ja muss, so gibt es doch immer wieder Dokumente oder auch Spielfilme über Ereignisse von damals, über die noch gar nicht oder nur wenig berichtet wurde. Man weiß, dass während der Deportationen in die Arbeits- und Todeslager im Deutschen Reich und auch in den vom Hitlerregime besetzten Gebieten jüdische Mitbürger von Freunden und anderen mutigen Helfern versteckt wurden oder untertauchten. Dass im "judenfrei" erklärten Berlin des Jahres 1943 mehr als 7000 jüdische Bürger mit der Hilfe Berliner Freunde "unsichtbar" wurden und, wenn auch nur ein Teil, so doch etwa 1700 davon das Kriegsende erlebten, ist erstaunlich.

Es ist ein großes Verdienst von Autor und Regisseur Claus Räfle, sich dieses Themas angenommen zu haben und mit einer umfassenden Recherche nicht nur Archivmaterial gesammelt, sondern auch noch vier lebende Zeitzeugen gefunden zu haben. Ein hervorragendes Drehbuch konzentriert sich auf seiner Erzählebene erfreulicherweise auf das Leben der "ganz normalen" Berliner Bevölkerung und verzichtet auf den Blick auf die sonst übliche und überstrapazierte Heil-Hitler-Ebene von Regimeführung, Partei und Gestapo.

Die dramaturgisch geniale Idee, einen Spielfilm über die Erlebnisse der vier Zeitzeugen, die dem Holocaust entkommen konnten, mit den Interviews der vier Betroffenen zu verbinden, gibt dem Film eine gnadenlos erschütternde Authentizität. In mehreren Sequenzen des Films wird die inszenierte Handlung nahtlos durch diese Interviews nicht nur weitergeführt und aufgelöst, sondern gibt den teilweise abenteuerlichen und fast unglaublichen Spielszenen gleichzeitig auch die historische Legitimation.

Die vier Zeitzeugen gefunden zu haben ist ein Schatz der besonderen Art. Denn reinen Interviewcharakter haben ihre Erzählungen nicht. Vielmehr berichten sie von ihrem Leben, ihrem Schicksal und im Detail von ihren Erlebnissen als "Unsichtbare" und gleichzeitig auch -für sie selbst nach wie vor unfassbar - vom Leid und Tod von sechs Millionen Glaubensschwestern und -brüdern.

Die präzise Montage der Spiel-und Erzählszenen in ihrer jeweiligen Ergänzung ist in dieser Form ein Kunstwerk der besonderen Art, das ein großes Lob verdient. Ein weiteres Lob gilt der Einbindung des Archivmaterials in die Spielhandlungen. Man hat glücklicherweise vermieden, die notwendigen Straßenszenen nicht zu bauen oder in den einschlägig bekannten "Filmstraßen" zu drehen. Vielmehr liefern die gewählten bewegten Archivbilder Berlins exakt die Szenen, die für den Handlungsfortlauf notwendig waren und geben gleichzeitig einen schönen authentischen Blick in das Berliner Alltagsleben. Geschickt dabei auch die absolut passende Vertonung des stummen Archivmaterials. Bleibt noch der Hinweis auf die gute und unaufdringliche Ausstattung.

Die Auswahl des Schauspielerensembles ist ein Glücksfall und ihr Spiel unter der sicheren Führung der Regie glaubhaft und überzeugend gut. Insgesamt ein Filmwerk von hohem historischem und auch pädagogischem Wert, dem nicht nur im Kino großer Erfolg gewünscht werden sollte, sondern auch in den medialen Bildungswerken und dem Unterricht in den Schulen.
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