Jugend ohne Gott

Jugend ohne Gott

Filmstart: 31.08.17Länge:114 Min.FSK 12
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FSK 12 Filmbewertungsstelle Wiesbaden - Prädikat besonders wertvoll
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Cast & Crew
Bewertung
In der digitalisierten Gesellschaft der Zukunft spielen Liebe, Moral und Menschlichkeit nur noch untergeordnete Rollen. Frei nach dem gleichnamigen Roman von Ödön von Horváth erzählt der Film die Geschichte einer Gruppe von Schülern, die als Hoffnungsträger der Leistungsgesellschaft an ihre Grenzen stoßen.
Zach (Jannis Niewöhner) macht sich widerwillig auf in das Hochleistungs-Camp der Abschlussklasse. Im Gegensatz zu seinen Kommilitonen hat er kein Interesse daran, auf die renommierte Rowald Universität zu kommen. Obwohl sie ihn nicht versteht, ist die ehrgeizige Nadesh (Alicia von Rittberg) von dem Einzelgänger fasziniert und versucht, ihm näherzukommen. Zach wiederum interessiert sich mehr für das geheimnisvolle Mädchen Ewa (Emilia Schüle), das im Wald lebt und sich mit Diebstählen über Wasser hält. Als Zachs Tagebuch verschwindet und ein Mord geschieht, scheint der fragile Zusammenhalt der jugendlichen Elite an sich selbst zu zerbrechen. Nur der vermeintlich moralisch integre Lehrer (Fahri Yardim) versucht zu helfen, aber dafür ist es schon zu spät...
Originaltitel
Jugend ohne Gott - Ein Film über die Liebe
Schauspieler
Jannis Niewöhner Infos ›
Fahri Yardim Infos ›
Emilia Schüle Infos ›
Alicia von Rittberg, Jannik Schümann
Regie
Alain Gsponer
Produzent
Uli Aselmann
Drehbuch
Alexander Buresch, Matthias Pacht
Kamera
Frank Lamm
Musik
Enis Rotthoff
Produktionsjahr
2017
Verleih
Constantin
Diese sehr freie Interpretation des gleichnamigen Romans von Ödön von Horváth spielt in einer zukünftigen Gesellschaft, in der alles auf Zweckmäßigkeit ausgerichtet ist. Die "Leistungsträger" leben in einer Luxuswelt, müssen dafür aber mit ständiger Überwachung und gnadenlosem Konkurrenzkampf existieren. Die "Leistungsempfänger" sind in Slums verbannt und überleben dort in prekären und chaotischen Zuständen. Eine Gruppe von Schülern macht in einem Hochleistungscamp in den Bergen einen Wettbewerb, bei dem herausgefunden werden soll, welche Teilnehmer sich am besten für eine Ausbildung eignen, die ihnen Zugang zur Elite des Landes sichern wird. Der Schüler Zach stellt als einziger dieses System der radikalen Aussonderung der Schwächeren in Frage. Die ehrgeizige Nadesh versucht, mit ihm eine Freundschaft zu beginnen, doch er ist mehr an der unangepassten Ewa interessiert, die mit einer Gruppe von Jugendlichen illegal in dem Waldgebiet herumzieht und kleinere Diebstähle ausführt. Unter den Protagonisten, zu denen auch ein verständnisvoller, aber schwacher Lehrer und ein Schüler, der um jeden Preis gewinnen will, zählen, kommt es zu einer dramatischen Entwicklung, die zu einem gewaltsamen Tod und einer Gerichtsverhandlung führt.

Alain Gsponer erzählt diese Geschichte in mehreren Teilen jeweils aus der Perspektive eines der Protagonisten, sodass die Geschehnisse mehrfach, jeweils mit neuen, tieferen Bedeutungsebenen durchgespielt werden. Diese ungewöhnliche Erzählform sorgt zuerst für Irritation, doch spätestens nach der Hälfte des Films entwickelt die Dramaturgie dann doch eine beachtliche Sogwirkung. Geschickt werden Informationen vorenthalten, falsche Fährten gelegt und überraschende Plotwendungen aus dem Hut gezogen. So funktioniert der Film auf einer Ebene als spannender Thriller, der mit einer hochkarätigen Besetzung punkten kann, zu der einige der zurzeit interessantesten jungen deutschsprachigen Darsteller zählen. Und die dystopische Welt, in der JUGEND OHNE GOTT spielt, ist eine glaubwürdige Weiterführung von aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich haben sich extrem vergrößert und die Menschen haben auf dem Arbeitsmarkt nur dann eine Chance, wenn sie sich ständig optimieren. Die Mittel ihrer digitalen Überwachung, u. a. durch fliegende Drohnen und implantierte Peilsender wären weitgehend schon mit der Technologie von heute möglich, und so unterscheidet sich diese Zukunft äußerlich kaum von unserer Gegenwart. Nur der Zerfall in den Wohngebieten der Armen wird mit drastischen Bildern illustriert, die wohl nicht zufällig an den Film BLADE RUNNER erinnern. Es gibt einige irritierend schöne Bildfindungen wie etwa ein Hinweisschild auf einer Autobahn, auf der nicht wie üblich Ortsnamen, sondern die Kürzel für die verschiedenen Bezirke einer Region stehen. Gsponer traut sich, von Horváths Roman radikal zu modernisieren, indem er einzelne Handlungsstränge und Motive daraus übernimmt und die gesellschaftskritischen Fragen, die der Autor 1938 angesichts der Entwicklung der Jugend im Dritten Reich stellte, im Kontext der modernen, digitalen Welt neu verhandelt. Dabei ist ihm ein intelligent konstruierter, packend erzählter undpolitisch provokanter Film gelungen.

FBW-Jugend-Filmjury:

(www.jugend-filmjury.com)

In dem Film JUGEND OHNE GOTT von Alain Gsponer geht es um eine alternative Welt, aufgeteilt in unterschiedliche Distrikte. Jugendliche aus den höheren Distrikten besuchen eine Eliteschule. Ihr Ziel ist es, in ein Auswahlcamp aufgenommen zu werden, um an die Universität zu kommen. Der Film erzählt von den Vorkommnissen in einem der Auswahlcamps. Die Geschichte wird aus vier verschiedenen Perspektiven erzählt. Mit jedem Charakter werden neue Aspekte der Geschichte aufgedeckt. Trotz der sich immer weiter ergänzenden Handlung, hält sich die Spannung durch ein unvorhersehbares Geschehen. Man wird immer näher an die Wahrheit herangeführt, bis sich zum Schluss alle entstandenen Fragen auflösen. Wir konnten den Film nur aus einer gewissen Entfernung betrachten, da wir uns emotional nicht mit den Charakteren identifizieren konnten. Dies lag daran, dass wir ihre Handlungsmotive nicht immer teilen konnten. So konnten wir jedoch eine neutrale Sicht einnehmen und die alternative Welt näher betrachten. Schockiert waren wir über das Gesellschaftssystem, welches nur auf Leistung fixiert ist und alle, die diese nicht erbringen, ausgrenzt. Der Film weist darauf hin, dass wir uns mehr auf die menschlichen Werte konzentrieren sollten, als auf Höchstleistungen. Das möglicherweise zukünftige Weltbild wirkt modern dargestellt und wird durch sterile Farben verdeutlicht. Es hinterlässt eine kalte und herzlose Atmosphäre. Kameraführung und Ton sind schlicht und unauffällig gehalten, wodurch die Handlung in den Vordergrund tritt. Wir empfehlen diesen dystopischen Science-Fiction Film ab 14 Jahren, aufgrund der komplizierten und teilweise brutalen Story. Für Jüngere wären manche Bilder zu heftig.

schockierend: 4 Sterne

spannend: 5 Sterne

abenteuerlich: 3 Sterne

dramatisch: 4 Sterne

dystopisch: 4 Sterne

Gesamtbewertung: 3,5 Sterne.

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